Kardiologie

Luftnot (Dyspnoe) – wann steckt das Herz dahinter?

Luftnot gehört zu den häufigsten Beschwerden in der Medizin.

Thomas hält ausser Atem auf einer Treppe am Utoquai inne, eine Hand am Geländer.

Viele Menschen bemerken Atemnot zunächst nur bei körperlicher Belastung. Hinter Luftnot können harmlose Ursachen, aber auch ernsthafte Herz- oder Lungenerkrankungen stecken.

Wann kann Luftnot vom Herzen kommen?

Mögliche kardiale Ursachen sind die koronare Herzkrankheit, Herzschwäche, Vorhofflimmern und andere Herzrhythmusstörungen, Herzklappenerkrankungen, Bluthochdruck mit Herzbeteiligung oder ein Zustand nach Herzinfarkt.

Luftnot als mögliches Warnzeichen einer koronaren Herzkrankheit

Besonders Frauen, ältere Menschen und Patienten mit Diabetes mellitus zeigen häufig atypische Symptome. Luftnot bei Belastung kann ein wichtiges Warnsignal einer Durchblutungsstörung des Herzens sein.

Herzschwäche – wenn die Pumpkraft nachlässt

Typische Beschwerden sind Luftnot bei Belastung oder im Liegen, Wassereinlagerungen in den Beinen sowie eine zunehmende Leistungsminderung.

Luftnot hat nicht immer eine Ursache am Herzen

Luftnot kann zahlreiche Ursachen haben. Nicht immer liegt eine Herzerkrankung zugrunde.

Mögliche Differenzialdiagnosen sind:

Lungenerkrankungen

  • Lungenembolie
  • Asthma bronchiale
  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
  • Lungenentzündung

Internistische Erkrankungen

  • Blutarmut (Anämie)
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Übergewicht

Allgemeinmedizinische Ursachen

  • Bewegungsmangel
  • Körperliche Dekonditionierung

Psychische Ursachen

  • Angststörungen
  • Panikstörungen

Insbesondere die Lungenembolie kann sich durch plötzlich auftretende Luftnot, Brustschmerzen, Herzrasen oder Kreislaufbeschwerden bemerkbar machen und stellt einen medizinischen Notfall dar.

Welche Rolle spielen NT-proBNP und D-Dimere?

NT-proBNP ist ein wichtiger Laborwert bei Verdacht auf Herzschwäche. Bei einer Überlastung des Herzens steigt die Konzentration dieses Biomarkers im Blut an. Ein normaler NT-proBNP-Wert macht eine relevante Herzschwäche eher unwahrscheinlich. D-Dimere sind Abbauprodukte von Blutgerinnseln. Bei Verdacht auf eine Lungenembolie können sie helfen, das weitere Vorgehen zu steuern. Normale D-Dimer-Werte machen eine akute Lungenembolie bei niedriger klinischer Wahrscheinlichkeit unwahrscheinlich.

Wann sollte Luftnot dringend abgeklärt werden?

Eine kardiologische Untersuchung ist besonders wichtig bei neu aufgetretener Luftnot, Brustschmerzen, Herzrasen, Schwindel, Kollapsneigung oder deutlich eingeschränkter Belastbarkeit.

Welche Untersuchungen helfen weiter?

Welche Untersuchung im Einzelfall sinnvoll ist, richtet sich nach den Beschwerden, den Risikofaktoren und den Vorbefunden. Moderne diagnostische Verfahren ermöglichen heute eine gezielte und frühzeitige Abklärung von Herz- und Lungenerkrankungen.

  • Ruhe-EKG zur Erkennung von Herzrhythmusstörungen oder Hinweisen auf eine Durchblutungsstörung des Herzens
  • Echokardiographie (Herzultraschall) zur Beurteilung der Herzfunktion, Herzklappen und Herzwandbewegung
  • NT-proBNP als wichtiger Laborwert bei Verdacht auf eine Herzschwäche
  • D-Dimere bei Verdacht auf eine Lungenembolie
  • Belastungsuntersuchungen zur Erkennung belastungsabhängiger Durchblutungsstörungen, beispielsweise Stressechokardiographie, Stress-MRT oder Myokard-PET
  • Langzeit-EKG bei Herzrasen, Herzstolpern oder unklaren Beschwerden
  • Koronar-CT zur nicht-invasiven Darstellung der Herzkranzgefässe
  • Herz-MRT zur Abklärung von Herzmuskelerkrankungen, Herzmuskelentzündungen oder besonderen Herzinfarktformen
  • CT-Angiographie der Lunge bei Verdacht auf eine Lungenembolie
  • Herzkatheteruntersuchung zur direkten Darstellung der Herzkranzgefässe und gegebenenfalls sofortigen Behandlung mittels Ballondilatation und Stentimplantation

Fazit

Luftnot sollte insbesondere bei neu aufgetretenen Beschwerden ernst genommen werden. Moderne diagnostische Verfahren ermöglichen heute eine gezielte Abklärung und frühzeitige Behandlung vieler Herz- und Lungenerkrankungen.

Quellen

  1. McDonagh TA et al. 2023 Focused Update of the 2021 ESC Guidelines for the Diagnosis and Treatment of Acute and Chronic Heart Failure. European Heart Journal. 2023.
  2. Byrne RA et al. 2023 ESC Guidelines for the Management of Acute Coronary Syndromes. European Heart Journal. 2023.
  3. Knuuti J et al. 2019 ESC Guidelines for the Diagnosis and Management of Chronic Coronary Syndromes. European Heart Journal. 2020.
  4. Gulati M et al. 2021 AHA/ACC Guideline for the Evaluation and Diagnosis of Chest Pain. Circulation. 2021.