Kardiologie

Echokardiographie. Was im Ultraschall des Herzens sichtbar wird, was nicht, und wie der Termin abläuft.

"Wir sollten ein Echo machen." Dieser Satz fällt in der Hausarztpraxis oft ohne weitere Erklärung. Die Untersuchung selbst ist harmlos, ohne Strahlung, ohne Vorbereitung, dauert ca. 30-45 Minuten. Was sie diagnostisch leistet, ist breiter, als die meisten Patient:innen erwarten. Was sie nicht leistet, ist enger. Dieser Artikel zeigt Ihnen, was eine transthorakale Echokardiographie misst, was sie nicht sieht, wie der Termin praktisch abläuft und wann ein Echo allein genügt.

Thomas bei der Echokardiographie im Untersuchungsraum, EKG-Elektroden auf der Brust, auf dem Bildschirm das Herz mit dem LVEF-Wert, die Ultraschallsonde in der Hand der Ärztin.

Was eine Echokardiographie misst und was sie nicht sieht

Kurz erklärt
Die transthorakale Echokardiographie (TTE) ist ein Ultraschall des Herzens durch die Brustwand. Sie zeigt die Pumpfunktion der linken und rechten Herzkammer (LV-Ejektionsfraktion und globaler longitudinaler Strain), die Entsapnnungsfuntion, die Grösse und das Volumen der vier Herzhöhlen, die Funktion der vier Herzklappen, den Herzbeutel und grobe strukturelle Auffälligkeiten wie Hypertrophie oder regionale Wandbewegungsstörungen [Lang RM et al., JASE 2015]. Sie ist die Standard-Bildgebung in der Kardiologie. [Galderisi M et al., Eur Heart J Cardiovasc Imaging 2017]. Was die TTE nicht sieht: Die Herzkranzgefässe selbst, bzw. die Durchbltung des Herzmuskels. Eine Engstelle in einem Koronargefäss erkennt nur die Koronarangiographie oder das Koronar-CT direkt. Die TTE liefert dazu nur indirekte Hinweise über Wandbewegungsstörungen [Lancellotti P et al., Eur Heart J Cardiovasc Imaging 2017]. Bei Dein Team für Herz führen wir die Untersuchung in der Sprechstunde durch. Der Befund wird noch in der Sitzung besprochen, der schriftliche Bericht geht parallel an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt und an Sie.

Wozu eine Echokardiographie gemacht wird

Eine Echokardiographie hat in der ambulanten Kardiologie vier Hauptindikationen, die sich in der Sprechstunde überlappen.

  1. Verdacht auf Herzschwäche. Belastungsdyspnoe, Beinödeme, plötzliche Gewichtszunahme, Orthopnoe (Atemnot beim flachen Liegen). Die TTE bestimmt die linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) und ordnet die Form der Herzinsuffizienz ein (mit reduzierter, leicht reduzierter oder erhaltener Auswurffraktion) [Lang RM et al., JASE 2015].
  2. Verdacht auf eine Klappenerkrankung. Ein neu aufgetretenes Herzgeräusch, Belastungsintoleranz, Schwindel beim Aufstehen, Synkope. Die TTE quantifiziert Stenose und Insuffizienz an Aorten-, Mitral-, Trikuspidal- und Pulmonalklappe und stuft den Schweregrad ein [Galderisi M et al., Eur Heart J Cardiovasc Imaging 2017].
  3. Endorgan-Bewertung bei kardiovaskulären Risikofaktoren. Bei länger bestehendem Bluthochdruck, Diabetes oder familiärer Belastung beurteilt die TTE die linksventrikuläre Hypertrophie, die diastolische Funktion und die Vorhofgrösse. Diese Befunde verändern das individuelle Risiko und damit die Therapie [Lang RM et al., JASE 2015].
  4. Abklärung nach Symptomen oder Befunden. Vorhofflimmern in der Apple Watch, unklare Brustschmerzen, Synkope, ungewöhnliche Müdigkeit, Schlaganfall in der Vorgeschichte. Die TTE klärt strukturelle Ursachen ab und liefert die Basis für weitere Bildgebung oder Funktionstests [Evangelista A et al., Eur J Echocardiogr 2008].

In unserer Sprechstunde sehen wir die ersten beiden Indikationen am häufigsten. Die dritte ist die unauffälligste und gleichzeitig die unterschätzteste. Wer mit Bluthochdruck seit zehn Jahren lebt, hat eine andere Risikoklasse als ein Patient mit demselben Blutdruckwert ohne Endorgan-Befund.

Wie der Termin praktisch abläuft

Die Untersuchung ist unspektakulär. Hier die typische Abfolge in der Sprechstunde bei Dein Team fürs Herz, von der Anmeldung bis zum schriftlichen Bericht.

  • 0 bis 15 Minuten · Anamnese und klinische Untersuchung. Aktuelle Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamente, familiäre Belastung. Auskultation, Blutdruckmessung, klinischer Status. Diese 10-15 Minuten formen die gezielte Frage an das Echo.
  • 10 bis 15 Minuten · Vorbereitung. Sie legen Oberkörper frei, liegen auf der linken Seite. Drei Klebeelektroden für ein simultanes EKG werden angebracht. Auf den Ultraschallkopf kommt ein wasserlösliches Gel, das die Schallübertragung verbessert. Es ist kühl beim Auftragen, das ist die einzige unangenehme Komponente. Eine spezielle Vorbereitung Ihrerseits ist nicht nötig. Essen, Trinken und Medikamente bleiben unverändert.
  • 15 bis 35 Minuten · Bildakquisition. Der Ultraschallkopf wird in mehreren Standardpositionen angesetzt: parasternal, apikal, subkostal und suprasternal. In jeder Position werden zwei- und dreidimensionale Bilder, Doppler-Messungen und Farbdoppler aufgezeichnet. Sie werden gebeten, kurz die Luft anzuhalten oder sich leicht umzulagern. Das Gerät zeichnet die Schleifen digital auf für die spätere Analyse.
  • 35 bis 50 Minuten · Quantifizierung und Befundbesprechung. Während Sie sich anziehen, werden die Messungen an den Schleifen vorgenommen (Volumina, Ejektionsfraktion, Klappenflächen, Druckgradienten). Anschliessend besprechen wir den Befund. Sie sehen Ihre Klappen in Bewegung, die Pumparbeit Ihrer Herzkammern, die Grössenverhältnisse Ihrer Vorhöfe.
  • Am gleichen Tag · Schriftlicher Bericht. Der strukturierte Bericht entspricht der Empfehlung der European Association of Cardiovascular Imaging zur standardisierten Befundung [Galderisi M et al., Eur Heart J Cardiovasc Imaging 2017]. Er geht an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt, eine Kopie behalten Sie selbst.

Insgesamt rechnen Sie mit etwa 60 bis 90 Minuten in der Sprechstunde. Der reine Echo-Anteil dauert 30-45 Minuten, der Rest ist Anamnese, EKG, häufig Velo-Belasungstest (Ergometrie) und Befundbesprechung. Strahlung gibt es keine. Schmerzen auch keine. Eine Begleitperson ist immer gut, aber nicht zwingend nötig.

Was im Echo gemessen wird

Eine vollständige TTE liefert weit mehr als die berühmte "Auswurffraktion". Die Standard-Befundung umfasst rund 30 quantitative Parameter, die in vier Gruppen fallen [Lang RM et al., JASE 2015; Galderisi M et al., Eur Heart J Cardiovasc Imaging 2017].

  • Linksventrikuläre Funktion. Ejektionsfraktion (LVEF, Normwert ab 52% bei Männern und ab 54% bei Frauen), endsystolisches und enddiastolisches Volumen, Wanddicke, Masse, regionale Wandbewegung. Bei reduzierter Auswurffraktion ist die Form der Herzinsuffizienz definiert [Lang RM et al., JASE 2015].
  • Globaler longitudinaler Strain (GLS). Eine quantitative Verformungsmessung der Längsachse, sensitiver als die LVEF für frühe systolische Funktionseinschränkung. Normwert circa minus 18 Prozent oder negativer. Klinisch nützlich bei Kardiotoxizität unter Chemotherapie, früher Kardiomyopathie und subklinischer Diabetes-Kardiopathie [Mor-Avi V et al., JASE 2011].
  • Klappenfunktion. Aorten-, Mitral-, Trikuspidal- und Pulmonalklappe, jede mit Stenose- und Insuffizienz-Quantifizierung über Druckgradienten, Klappenflächen und Regurgitations-Volumina [Galderisi M et al., Eur Heart J Cardiovasc Imaging 2017]. Auch die Klappenmorphologie wird beschrieben (Kalzifikation, bikuspide Aortenklappe, Mitralklappenprolaps).
  • Diastolische Funktion und Vorhofgrösse. E/A-Verhältnis, E/e-prime-Verhältnis, Mitralring-Geschwindigkeit, linksatrialer Volumenindex. Diese Parameter sind die Achse für die Diagnostik der Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion (HFpEF) und für die Risikoabschätzung bei Bluthochdruck und Vorhofflimmern [Lang RM et al., JASE 2015].

Zusätzlich werden der Herzbeutel (Perikarderguss?), die Aortenwurzel und der proximale Aortenbogen, die Vena cava inferior (Volumenstatus), grobe rechtsventrikuläre Funktion und gegebenenfalls intrakardiale Thromben beurteilt. Auf Basis dieser Datensammlung entsteht der strukturierte Bericht.

Was die Echokardiographie nicht sieht

Eine ehrliche Antwort auf die häufigste Frage. Es gibt diagnostische Grenzen, und sie sind klar definiert.

  • Die Herzkranzgefässe selbst. Die TTE zeigt nicht, ob eine Engstelle in einem Koronargefäss und somit eine Durchblutungsstörung des Herzmuskels vorliegt. Sie liefert aber indirekte Hinweise über regionale Wandbewegungsstörungen, deren Ursache eine mangelafte Durchblutung in diesem Bereich sein kann. [Lancellotti P et al., Eur Heart J Cardiovasc Imaging 2017]. Für die direkte Beurteilung der Koronarien braucht es ein Koronar-CT (anatomisch) oder eine Koronarangiographie (anatomisch und interventionell zugleich).
  • Mikrovaskuläre Erkrankung. Eine Funktionsstörung der kleinsten Herzkranzgefässe entgeht der TTE in Ruhe. Sie wird im Stress-Echo, im Cardio-MRT oder invasiv mit Druck- und Flussmessung im Katheter untersucht. Diese Frage stellt sich häufig im Frauenherz-Bereich.
  • Sehr feine elektrische Auffälligkeiten. Die TTE erfasst über das simultane EKG den Rhythmus während der Untersuchung, aber kein Langzeit-Profil. Vorhofflimmern, das nur paroxysmal auftritt, braucht ein Langzeit-EKG oder einen Wearable-Befund.
  • Lungenparenchym und Pleura im Detail. Eine begleitende Pleuraverdickung oder eine pulmonale Pathologie wird im Echo nicht systematisch beurteilt. Dafür ist eine Lungenfunktion oder eine Bildgebung der Lunge nötig.

Echocardiography is the most commonly used modality for the evaluation of cardiac structure and function. Standardisation of measurements is essential to allow comparison across centres and over time.

Lang RM et al., ASE/EACVI Chamber Quantification 2015, JASE 2015

Diese Grenzen gehören zur Definition der Untersuchung. Eine TTE ist eine strukturelle und funktionelle Bildgebung. Die Beurteilung der Koronarien ist eine eigene Untersuchung mit eigenen Indikationen.

Wann ein Echo allein genügt und wann es ergänzt wird

Die diagnostische Logik in der Kardiologie ist meistens schrittweise. Die TTE steht am Anfang vieler Pfade, und sie genügt allein bei klar abgrenzbaren Fragestellungen.

Bei einer Klappenerkrankung mit klarem Befund (zum Beispiel eine moderate Aortenstenose ohne Symptome) reicht die TTE als regelmässige Verlaufskontrolle. Bei einer Herzinsuffizienz mit reduzierter Auswurffraktion liefert die TTE die Diagnose, die Verlaufsmessung folgt mit derselben Methode. Bei einer linksventrikulären Hypertrophie als Endorgan-Befund einer Hypertonie ist die TTE der Standard.

Wenn die Frage über die strukturelle Bildgebung hinausgeht, kommen ergänzende Tests dazu. Bei Verdacht auf eine koronare Herzkrankheit folgt ein Stress-Echo, ein Cardio-CT oder eine Koronarangiographie [Lancellotti P et al., Eur Heart J Cardiovasc Imaging 2017]. Bei Vorhofflimmern ergänzt ein Langzeit-EKG die Rhythmusbewertung. Bei einer unklaren Kardiomyopathie liefert ein Kardio-MRT die Gewebecharakterisierung, die das Echo nicht erfassen kann.

In unserer Sprechstunde besprechen wir den Befund noch in der Sitzung. Wenn ergänzende Bildgebung nötig wird, terminieren wir sie direkt. Wenn keine ergänzende Bildgebung nötig ist, halten Sie den Bericht am gleichen Tag in der Hand und gehen mit klarem Plan nach Hause.

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Häufige Fragen zur Echokardiographie

Muss ich für ein Echo nüchtern sein?
Nein. Eine transthorakale Echokardiographie braucht keine Vorbereitung. Sie essen, trinken und nehmen Ihre Medikamente wie an einem normalen Tag. Auch Kaffee am Morgen ist in Ordnung. Nüchtern werden Sie nur für ein transösophageales Echo, eine Stress-Echokardiographie mit pharmakologischer Belastung oder spezielle Kontrastmittel-Untersuchungen.
Wie lange dauert die Untersuchung?
Die reine Bildakquisition dauert rund 20 bis 30 Minuten. Mit Anamnese, klinischer Untersuchung und Befundbesprechung rechnen Sie mit insgesamt ca. 60 Minuten in der Sprechstunde. Den schriftlichen Bericht bekommen Sie am gleichen Tag.
Tut die Echokardiographie weh?
Nein. Sie spüren den leichten Druck des Ultraschallkopfs auf der Brust, das kühle Gel und die drei EKG-Klebeelektroden. Es gibt keine Strahlung, kein Kontrastmittel und keine Punktion. Eine TTE ist die rückwirkungsärmste kardiologische Bildgebung \[Evangelista A et al., Eur J Echocardiogr 2008; Schweizerische Herzstiftung 2025\].
Was ist der Unterschied zwischen TTE und TEE?
TTE steht für transthorakale Echokardiographie und ist der Ultraschall durch die Brustwand. TEE steht für transösophageale Echokardiographie. Dafür wird eine schluckbare Sonde in die Speiseröhre eingeführt. Die TEE liefert höher aufgelöste Bilder vom linken Vorhof und den Klappen und wird gezielt eingesetzt, etwa vor einer Vorhofflimmern-Konversion oder zur Beurteilung einer Endokarditis. Die TTE ist die ambulante Standard-Untersuchung \[Galderisi M et al., Eur Heart J Cardiovasc Imaging 2017\].
Kann das Echo einen Herzinfarkt erkennen?
Indirekt, ja. Bei einem stattgehabten Herzinfarkt zeigt die TTE oft regionale Wandbewegungsstörungen im versorgten Areal, eine reduzierte regionale Verformung im Strain und gegebenenfalls eine Wandverdünnung mit Narbenbildung \[Lang RM et al., JASE 2015\]. Einen akuten Herzinfarkt diagnostiziert die TTE jedoch nicht primär. Bei akutem Brustschmerz steht das EKG an erster Stelle, gefolgt von Troponin im Labor. Die TTE ergänzt die Akutdiagnostik. Bei akuten Symptomen (anhaltender Brustdruck, Atemnot in Ruhe) wählen Sie 144, statt einen Sprechstunden-Termin zu vereinbaren.
Reicht ein Echo bei meiner Apple-Watch-Befundlage?
Bei einem Vorhofflimmern-Hinweis im Wearable ergänzt die TTE die Rhythmusabklärung sinnvoll. Sie misst die Vorhofgrösse, die linksventrikuläre Funktion und schliesst strukturelle Begleitbefunde aus, die für die Therapieentscheidung relevant sind \[Lang RM et al., JASE 2015\]. Ein Echo allein ersetzt aber kein Langzeit-EKG zur Rhythmusbestätigung.
Was bedeutet "Ejektionsfraktion 55 Prozent" im Befund?
Das ist die Pumparbeit Ihrer linken Kammer pro Schlag, ausgedrückt als prozentualer Anteil des Vorblutvolumens, das hinausgepumpt wird. Werte ab 52 Prozent bei Männern und ab 54 Prozent bei Frauen gelten als normal \[Lang RM et al., JASE 2015\]. Eine Ejektionsfraktion von 55 Prozent ist im Normbereich. Werte zwischen 41 und 49 Prozent gelten als leicht reduziert (HFmrEF), Werte unter 40 Prozent als reduziert (HFrEF).
Übernimmt meine Krankenversicherung das Echo?
Bei medizinischer Indikation (Symptome, Risikofaktoren, Verdacht auf Herzinsuffizienz oder Klappenerkrankung) übernimmt die obligatorische Krankenpflegeversicherung die Untersuchung abzüglich Ihrer Franchise und 10 Prozent Selbstbehalt bis zur jährlichen Obergrenze. Ein reines Wunsch-Echo ohne Indikation ist Selbstzahler-Leistung. Die Tarifabrechnung erfolgt seit 1. Januar 2026 nach TARDOC.

Quellen

  1. Lang RM et al. Recommendations for cardiac chamber quantification by echocardiography in adults (ASE/EACVI). JASE 2015;28(1):1-39.e14.
  2. Mor-Avi V et al. Current and evolving echocardiographic techniques for the quantitative evaluation of cardiac mechanics: ASE/EAE consensus on strain imaging. JASE 2011;24(3):277-313.
  3. Evangelista A et al. EAE recommendations for standardization of performance, digital storage and reporting of echocardiographic studies. Eur J Echocardiogr 2008;9(4):438-448.
  4. Lancellotti P et al. The clinical use of stress echocardiography in non-ischaemic heart disease (EACVI/ASE). Eur Heart J Cardiovasc Imaging 2016;17(11):1191-1229.
  5. Galderisi M et al. Standardization of adult transthoracic echocardiography reporting (EACVI expert consensus). Eur Heart J Cardiovasc Imaging 2017;18(12):1301-1310.
  6. Schweizerische Herzstiftung. Wissen und Support. Dossier Untersuchungen.