Kardiologie

Koronare Herzkrankheit (KHK): Ursachen, Symptome und moderne Behandlungsmöglichkeiten

Die koronare Herzkrankheit (KHK) ist in der Schweiz die häufigste Todesursache. Jedes Jahr erleiden hier rund 30'000 Menschen ein akutes koronares Ereignis, also einen Herzinfarkt oder eine Angina pectoris [Schweizerische Herzstiftung 2025]. Die Erkrankung entwickelt sich über Jahre, oft lange ohne Beschwerden. Genau das macht sie tückisch. Wer Risikofaktoren und Warnzeichen kennt, kann früh handeln. Und früh handeln verändert bei der KHK den Verlauf entscheidend.

Thomas steht mitten im Schritt vor dem Härzli-Schaufenster, Aktentasche in der linken Hand, Espressobecher in der rechten. Seine Apple Watch zeigt eine Hohe-Herzfrequenz-Warnung, freie Finger liegen flach auf dem Brustbein.

Was ist die koronare Herzkrankheit, kurz erklärt?

Bei der koronaren Herzkrankheit verengen sich die Herzkranzgefässe, also die Adern, die den Herzmuskel mit sauerstoffreichem Blut versorgen. Ursache sind Ablagerungen aus Cholesterin, Bindegewebe, Kalk und Entzündungszellen, sogenannte Plaques. Dieser Prozess heisst Atherosklerose und läuft über viele Jahre. Solange die Engstelle gering bleibt, merken Sie meist nichts. Wird das Gefäss stärker eingeengt, bekommt der Herzmuskel unter Belastung zu wenig Sauerstoff. Das spüren Sie als Druck oder Enge in der Brust, oft bei Anstrengung, die typische Angina pectoris. Reisst eine Plaque ein und verschliesst das Gefäss plötzlich vollständig, droht ein Herzinfarkt mit bleibendem Schaden am Herzmuskel. Die ESC-Leitlinie 2024 fasst die stabilen Verlaufsformen unter dem Begriff chronisches Koronarsyndrom zusammen und betont, dass die Erkrankung ein dynamischer Prozess bleibt, der sich über die Zeit verändert [ESC 2024, Eur Heart J]. Genau deshalb gehört sie regelmässig kontrolliert. Behandelbar ist sie in jedem Stadium.

Welche Risikofaktoren treiben die KHK an?

Die KHK entsteht aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Einige lassen sich nicht ändern, viele schon.

Nicht beeinflussbar:

  • Familiäre Vorbelastung, besonders wenn Eltern oder Geschwister vor dem 55. (Männer) beziehungsweise 65. Lebensjahr (Frauen) erkrankt sind
  • Steigendes Alter
  • Geschlecht: Männer erkranken im Schnitt rund zehn Jahre früher, da weibliche Hormone bis zur Menopause einen gewissen Schutz bieten

Beeinflussbar:

  • Rauchen
  • Bluthochdruck
  • Erhöhtes LDL-Cholesterin
  • Diabetes mellitus
  • Übergewicht, vor allem am Bauch
  • Bewegungsmangel
  • Anhaltender Stress

Am stärksten wiegt das Rauchen. Eine Metaanalyse über 20 Studien an Menschen mit bestehender koronarer Herzkrankheit zeigte: Wer das Rauchen aufgibt, senkt sein Sterberisiko gegenüber Weiterrauchenden um rund ein Drittel (gepooltes Risikoverhältnis 0,64) [Critchley & Capewell 2003, JAMA]. Diese Risikoreduktion liegt in der Grössenordnung wirksamer Medikamente. Ein Teil des Überrisikos verschwindet bereits in den ersten zwei Jahren nach dem letzten Glimmstängel.

Symptome: Worauf Sie achten sollten

Im Frühstadium verläuft die KHK häufig stumm. Das Leitsymptom der fortgeschrittenen Erkrankung ist die Angina pectoris.

Typisch sind:

  • Druck oder Enge hinter dem Brustbein, oft beschrieben wie ein Gewicht auf der Brust
  • Ausstrahlung in den linken Arm, beide Arme, Hals, Kiefer, Rücken oder Oberbauch
  • Begleitend Atemnot, Schweissausbruch, Übelkeit, Angst

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen stabiler und instabiler Form. Eine stabile Angina pectoris tritt bei vorhersehbarer Belastung auf, lässt in Ruhe nach und bessert sich auf Nitro-Spray. Eine instabile Angina pectoris zeigt sich schon in Ruhe oder bei kleinster Anstrengung, nimmt rasch zu und spricht kaum auf Nitro an. Sie kann der Vorbote eines Herzinfarkts sein.

Frauen berichten oft über weniger eindeutige Zeichen: Müdigkeit, Übelkeit, Kurzatmigkeit oder Rückenschmerzen ohne klassischen Brustschmerz. Auch das gehört ernst genommen.

Im Notfall: 144 wählen

Treten Brustschmerzen in Ruhe auf, halten länger als einige Minuten an oder kommen Atemnot, kalter Schweiss und Todesangst dazu, zählt jede Minute. In der Schweiz alarmieren Sie dann sofort die Sanitätsnotrufnummer 144 und bleiben am Telefon, bis Hilfe eintrifft [Schweizerische Herzstiftung 2025]. Nicht selbst ans Steuer setzen.

Wie wird die KHK diagnostiziert?

Die Abklärung verläuft schrittweise und richtet sich nach der Vortest-Wahrscheinlichkeit, also danach, wie wahrscheinlich eine relevante Verengung anhand von Beschwerden und Risikoprofil ist.

Schritt Untersuchung Was sie zeigt
Basis Anamnese, körperliche Untersuchung, Ruhe-EKG Beschwerdebild, Risikofaktoren, abgelaufene Infarkte
Funktionstest Belastungs-EKG, Stressechokardiografie Durchblutung unter Belastung
Bildgebung Echokardiografie, Myokardszintigrafie Pumpfunktion, Minderdurchblutung
Anatomie CT-Koronarangiografie Verengungen und Verkalkungen direkt sichtbar
Goldstandard Herzkatheter (Koronarangiografie) genaue Darstellung, oft direkte Behandlung

Die ESC-Leitlinie 2024 empfiehlt bei einer Vortest-Wahrscheinlichkeit zwischen 5 und 50 Prozent die CT-Koronarangiografie als bevorzugte erste bildgebende Methode [ESC 2024, Eur Heart J]. Sie kommt ohne Punktion der Schlagader aus und schliesst eine relevante KHK zuverlässig aus. Der Herzkatheter bleibt der genaueste Test und hat den Vorteil, dass sich eine gefundene Engstelle in derselben Sitzung häufig direkt behandeln lässt.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Therapie verfolgt zwei Ziele: Beschwerden lindern und das Risiko für Herzinfarkt und Tod senken. Sie ruht auf drei Säulen.

1. Medikamente. Sie bilden die Basis bei jeder KHK.

  • Thrombozytenhemmer wie ASS verhindern Blutgerinnsel
  • Statine senken das LDL-Cholesterin und stabilisieren die Plaques. Die ESC-Leitlinie 2024 nennt einen LDL-Zielwert unter 1,4 mmol/l (unter 55 mg/dl) und mindestens eine Halbierung gegenüber dem Ausgangswert (Empfehlungsklasse IA). Reicht ein hochdosiertes Statin nicht, kommen Ezetimib und gegebenenfalls ein PCSK9-Hemmer dazu [ESC 2024, Eur Heart J]
  • Betablocker senken Herzfrequenz und Sauerstoffbedarf
  • ACE-Hemmer schützen Herz und Nieren, besonders bei Diabetes
  • Nitrate erweitern die Gefässe und helfen akut bei Angina

2. Katheterbehandlung (PCI). Über die Hand- oder Leistenarterie wird die Engstelle mit einem Ballon geweitet und mit einem medikamentenbeschichteten Stent offengehalten. Bei akutem Herzinfarkt ist die rasche PCI lebensrettend.

3. Bypass-Operation (CABG). Bei Verengung des Hauptstamms, komplexer Mehrgefässerkrankung oder Diabetes mit ausgedehntem Befund leitet der Chirurg das Blut mit körpereigenen Gefässen um die Engstellen herum.

Wann eröffnet man ein Gefäss, wann genügen Medikamente? Die grosse ISCHEMIA-Studie an 5179 Patientinnen und Patienten mit stabiler KHK und mittelschwerer bis schwerer Durchblutungsstörung fand über gut drei Jahre keinen Überlebensvorteil einer frühen Katheter- oder Bypass-Strategie gegenüber konsequenter medikamentöser Therapie [Maron et al. 2020, NEJM]. Bei stabilen Beschwerden lohnt sich also eine sorgfältige Abwägung. Bei akutem Koronarsyndrom dagegen ist die schnelle Revaskularisation klar im Vorteil. Im Team von Dein Team Herzzentrum besprechen wir diese Entscheidung individuell und legen sie offen mit Ihnen fest.

Was Sie selbst bewirken können

Keine Tablette ersetzt einen herzgesunden Alltag. Die wirksamsten Stellschrauben liegen in Ihrer Hand.

  • Rauchstopp. Die wirksamste Einzelmassnahme überhaupt (siehe oben).
  • Ernährung. Mediterrane Kost mit viel Gemüse, Vollkorn, Hülsenfrüchten, Fisch und Olivenöl. Wenig gesättigte Fette, Salz und Zucker.
  • Bewegung. Rund 150 Minuten moderate Ausdauerbewegung pro Woche, etwa zügiges Gehen, Velofahren oder Schwimmen. Die Intensität bei bekannter KHK mit dem Kardiologen abstimmen.
  • Gewicht und Bauchumfang im Blick behalten (Männer unter 94 cm, Frauen unter 80 cm).
  • Stress reduzieren, ausreichend schlafen, soziale Kontakte pflegen.

Häufige Fragen zur koronaren Herzkrankheit

Ist die KHK heilbar? Die Atherosklerose selbst lässt sich nicht rückgängig machen. Ihr Fortschreiten können Sie aber bremsen und in günstigen Fällen sogar teilweise stabilisieren. Mit konsequenter Therapie und herzgesundem Lebensstil führen die meisten Betroffenen ein aktives Leben mit guter Lebensqualität.

Woran erkenne ich eine KHK frühzeitig? Im Frühstadium gibt es oft keine Symptome. Achten Sie auf Druck oder Enge in der Brust unter Belastung, nachlassende Belastbarkeit oder ungewohnte Atemnot. Bei Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, hohem Cholesterin oder familiärer Vorbelastung lohnt sich eine kardiologische Standortbestimmung, bevor Beschwerden auftreten.

Brauche ich immer einen Stent? Nein. Bei stabiler KHK ohne akute Gefahr zeigte die ISCHEMIA-Studie, dass eine konsequente medikamentöse Therapie oft ebenso gut vor Infarkt und Tod schützt wie eine frühe Katheterbehandlung [Maron et al. 2020, NEJM]. Ein Stent verbessert vor allem Beschwerden, die trotz Medikamenten bestehen bleiben, sowie die Prognose in bestimmten Risikokonstellationen und beim akuten Herzinfarkt.

Wie hoch darf mein Cholesterin sein? Für Menschen mit gesicherter KHK empfiehlt die ESC-Leitlinie 2024 ein LDL-Cholesterin unter 1,4 mmol/l (unter 55 mg/dl) und mindestens eine Halbierung gegenüber dem Ausgangswert [ESC 2024, Eur Heart J]. Der genaue Zielwert hängt vom individuellen Gesamtrisiko ab und gehört in die ärztliche Beurteilung.

Was tue ich bei plötzlichem Brustschmerz? Halten Brustschmerzen in Ruhe an, strahlen sie aus oder kommen Atemnot und kalter Schweiss dazu, wählen Sie in der Schweiz sofort die 144. Bleiben Sie ruhig, setzen Sie sich mit erhöhtem Oberkörper hin und warten Sie auf den Rettungsdienst. Fahren Sie nicht selbst ins Spital.

Wer behandelt die KHK in Zürich? Die Abklärung und Behandlung der koronaren Herzkrankheit gehört in kardiologische Hände. Am Dein Team Herzzentrum in Zürich übernehmen wir die gesamte Kette von der Diagnostik über die Katheterbehandlung bis zur Nachsorge, kurzfristig und ohne Umwege. Termine sind ohne Überweisung möglich.

Dieser Beitrag dient Ihrer Orientierung und ersetzt kein ärztliches Gespräch. Wenn Sie Beschwerden haben oder Risikofaktoren bei Ihnen zusammenkommen, lassen Sie Ihr Herz persönlich abklären.

Quellen

  1. 2024 ESC Guidelines for the management of chronic coronary syndromes — European Heart Journal 45(36):3415
  2. Maron DJ et al. Initial Invasive or Conservative Strategy for Stable Coronary Disease (ISCHEMIA) — N Engl J Med 2020 (PubMed 32227755)
  3. Critchley JA, Capewell S. Mortality risk reduction associated with smoking cessation in patients with coronary heart disease: a systematic review — JAMA 2003 (PubMed 12851274)
  4. Koronare Herzkrankheit — Schweizerische Herzstiftung
  5. Verhalten im Notfall (Notruf 144) — Schweizerische Herzstiftung