Kardiologie
Stentfreie Koronarbehandlung mit SELUTION DEB
Eine verengte Herzkranzarterie lässt sich aufdehnen, ohne dass ein dauerhaftes Metallgitter im Gefäss zurückbleibt. Möglich macht das ein medikamentenbeschichteter Ballon (DEB), der den Wirkstoff Sirolimus direkt in die Gefässwand abgibt und danach wieder entfernt wird. Auf dem TCT-Kongress 2025 wurde mit SELUTION DeNovo die bisher grösste randomisierte Studie zu diesem Verfahren bei erstmaligen Engstellen vorgestellt. Das Ergebnis: Bei sorgfältig ausgewählten Patientinnen und Patienten kann die Ballonstrategie der Stent-Behandlung ebenbürtig sein. Wir am Dein Team Herzzentrum in Zürich ordnen Ihnen hier ein, was das konkret bedeutet.
Was bedeutet stentfreie Koronarbehandlung mit dem SELUTION DEB?
Bei einer stentfreien Koronarbehandlung wird die verengte Herzkranzarterie mit einem medikamentenbeschichteten Ballon aufgedehnt. Der SELUTION DEB trägt eine Sirolimus-Beschichtung, die beim Aufdehnen in die Gefässwand übergeht und dort das erneute Zuwachsen hemmt. Anschliessend wird der Ballon vollständig zurückgezogen. Im Gefäss verbleibt kein Implantat. Ein Stent kommt nur dann zum Einsatz, wenn das Aufdehnungsergebnis ungenügend ist (sogenanntes Bail-out). In der SELUTION-DeNovo-Studie mit über 3300 Patientinnen und Patienten lag die Rate für Versagen des Zielgefässes nach einem Jahr bei 5,3 Prozent in der Ballongruppe gegenüber 4,4 Prozent in der Stentgruppe. Damit war die Ballonstrategie der Stent-Behandlung nicht unterlegen [Spaulding TCT 2025]. Geeignet ist das Verfahren vor allem bei erstmaligen Engstellen und kleineren Gefässen. Die Eignung prüfen wir individuell.
So funktioniert der medikamentenbeschichtete Ballon
Ein Drug-Eluting Balloon (DEB), auch Drug-Coated Balloon (DCB) genannt, ist ein gewöhnlicher Ballonkatheter mit einer Wirkstoffschicht auf der Aussenseite. Der Ablauf in vier Schritten:
- Der Katheter wird über die Leiste oder das Handgelenk bis zur Engstelle vorgeschoben.
- Der Ballon wird an der verengten Stelle für kurze Zeit aufgedehnt.
- Beim Kontakt mit der Gefässwand gibt die Beschichtung den Wirkstoff Sirolimus ab. Sirolimus bremst das Zellwachstum, das sonst zu einer erneuten Verengung führen kann.
- Der Ballon wird entleert und herausgezogen. Das Gefäss bleibt frei von Fremdmaterial.
Die SELUTION-Technologie setzt den Wirkstoff über sogenannte MicroReservoirs verzögert frei. Dadurch soll Sirolimus über mehrere Wochen in der Gefässwand wirken.
Was zeigt die SELUTION-DeNovo-Studie?
SELUTION DeNovo ist eine prospektive, randomisierte und multizentrische Studie. Verglichen wurde die Ballonstrategie mit provisorischem Stenting gegen die routinemässige Implantation eines medikamentenfreisetzenden Stents (DES) bei erstmaligen Koronarengstellen. Die Ergebnisse wurden im Oktober 2025 am TCT-Kongress in San Francisco präsentiert, vorgetragen von Prof. Christian Spaulding für die Studiengruppe [Spaulding TCT 2025].
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Studientyp | Prospektiv, randomisiert, multizentrisch |
| Teilnehmende | über 3300 Patientinnen und Patienten |
| Vergleich | SELUTION DEB (Ballon) gegen DES (Stent) |
| Primärer Endpunkt | Target Vessel Failure (TVF) nach 12 Monaten |
| TVF Ballongruppe | 5,3 Prozent |
| TVF Stentgruppe | 4,4 Prozent |
| Statistisches Ergebnis | Nicht-Unterlegenheit nachgewiesen |
| Nachbeobachtung | bis zu 5 Jahre geplant |
Der primäre Endpunkt Target Vessel Failure fasst kardialen Tod, Herzinfarkt im Zielgefäss und eine klinisch begründete erneute Behandlung des Zielgefässes zusammen. Die Raten für schwere Einzelereignisse wie Herztod waren in beiden Gruppen niedrig und vergleichbar [Spaulding TCT 2025].
Eine Unteranalyse bei Patientinnen und Patienten mit akutem Koronarsyndrom (NSTEMI und instabile Angina) wurde 2026 an den SCAI-Sitzungen vorgestellt. Auch hier war die Ballonstrategie der Stentbehandlung nach einem Jahr nicht unterlegen, mit einer TVF-Rate von 5,3 Prozent gegenüber 4,9 Prozent. Eine zusätzliche Stentimplantation als Bail-out war in dieser Gruppe bei etwa jedem fünften Eingriff nötig [SCAI 2026].
Wie läuft der Eingriff und die Nachsorge ab?
Der Ablauf gleicht in den ersten Schritten einer gewöhnlichen Herzkatheter-Untersuchung. Über das Handgelenk oder die Leiste führen wir den Katheter zum verengten Abschnitt. Vor dem medikamentenbeschichteten Ballon wird die Engstelle in der Regel mit einem gewöhnlichen Ballon vorbereitet, damit der Wirkstoff später gleichmässig an die Gefässwand gelangt. Erst danach folgt der SELUTION DEB. Wir beobachten das Ergebnis im Röntgenbild. Ist der Blutfluss gut und das Gefäss stabil, bleibt es bei der Ballonbehandlung. Zeigt sich ein ungenügendes Resultat, setzen wir einen Stent als Absicherung.
Nach dem Eingriff bleiben Sie je nach Situation einige Stunden bis zu einem Tag zur Überwachung. Wichtig für den langfristigen Erfolg sind die verordnete Plättchenhemmung, eine konsequente Behandlung der Risikofaktoren und regelmässige Kontrollen. Welche Medikamente Sie wie lange nehmen, halten wir schriftlich fest und besprechen es mit Ihnen und gegebenenfalls mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.
Welche Vorteile hat die stentfreie Strategie?
Der medikamentenbeschichtete Ballon kann in geeigneten Fällen Vorteile gegenüber dem Stent haben. Wichtig: Diese Punkte gelten für ausgewählte Befunde, nicht pauschal für jede Engstelle.
- Kein dauerhaftes Implantat. Das Gefäss bleibt frei von einem Metallgitter. Bei einer erneuten Verengung bleiben alle Behandlungswege offen, einschliesslich einer späteren Stentimplantation oder Bypass-Operation.
- Erhaltene Gefässbeweglichkeit. Studiendaten deuten darauf hin, dass die natürliche Eigenbewegung der Gefässwand (Vasomotion) nach einer Ballonbehandlung besser erhalten bleiben kann als nach einem Stent [Cortese 2024].
- Möglicherweise kürzere Blutverdünnung. Nach einer reinen Ballonbehandlung von erstmaligen Engstellen kann die duale Plättchenhemmung in manchen Fällen kürzer ausfallen, teils auf rund vier Wochen. Das kann besonders für Menschen mit erhöhtem Blutungsrisiko relevant sein [Cortese 2024].
Die Evidenz für kleinere Gefässe ist nicht neu. Die randomisierte BASKET-SMALL-2-Studie mit 758 Teilnehmenden zeigte bereits, dass der medikamentenbeschichtete Ballon bei erstmaligen Engstellen in kleinen Gefässen einem modernen Stent ebenbürtig sein kann, unabhängig vom Blutungsrisiko [Jeger 2022].
Für wen kommt die Behandlung in der Schweiz infrage?
Die stentfreie Strategie eignet sich besonders bei erstmaligen Engstellen (De-novo-Läsionen) und in kleineren Herzkranzgefässen. Ob sie für Sie passt, hängt von der Gefässanatomie, der Grösse und Form der Engstelle sowie von Begleiterkrankungen ab. Diese Entscheidung treffen wir nach einer sorgfältigen Diagnostik und im Gespräch mit Ihnen.
Die ESC-Leitlinie 2024 zu den chronischen Koronarsyndromen empfiehlt bei der In-Stent-Restenose den medikamentenfreisetzenden Stent (Empfehlung IA). Für erstmalige Engstellen in kleinen Gefässen gilt der medikamentenbeschichtete Ballon auf Basis der vorliegenden Studiendaten als sinnvolle Behandlungsoption [ESC 2024]. Die neuen SELUTION-DeNovo-Daten erweitern diese Evidenzbasis.
Am Dein Team Herzzentrum in Zürich bieten wir das gesamte Spektrum der interventionellen Kardiologie an. Die Abrechnung erfolgt nach den in der Schweiz geltenden Tarifen (TARDOC für ambulante ärztliche Leistungen). Welche Kosten Ihre Versicherung übernimmt, klären wir vor dem Eingriff transparent mit Ihnen.
Häufige Fragen zur stentfreien Koronarbehandlung
Was ist ein medikamentenbeschichteter Ballon (DEB)?
Ein DEB ist ein Ballonkatheter mit einer Sirolimus-Beschichtung. Beim Aufdehnen der verengten Arterie geht der Wirkstoff in die Gefässwand über und hemmt dort das erneute Zuwachsen. Anders als beim Stent verbleibt kein Implantat im Körper.
Ist die Behandlung ohne Stent genauso sicher wie mit Stent?
Die SELUTION-DeNovo-Studie mit über 3300 Teilnehmenden zeigte, dass die Ballonstrategie der Stentbehandlung nach einem Jahr nicht unterlegen war. Die Rate für Versagen des Zielgefässes lag bei 5,3 Prozent gegenüber 4,4 Prozent. Schwere Ereignisse waren in beiden Gruppen selten [Spaulding TCT 2025].
Wie viele Behandelte brauchen trotzdem einen Stent?
In der Akutsyndrom-Unteranalyse war bei etwa jedem fünften Eingriff eine zusätzliche Stentimplantation als Bail-out nötig. Rund vier von fünf Behandelten kamen ohne dauerhaftes Implantat aus [SCAI 2026].
Muss ich nach der Ballonbehandlung Blutverdünner einnehmen?
In der Regel ja, für eine begrenzte Zeit. Nach einer reinen Ballonbehandlung von erstmaligen Engstellen kann die Dauer der dualen Plättchenhemmung in manchen Fällen kürzer ausfallen als nach einem Stent. Die genaue Dauer legen wir individuell fest [Cortese 2024].
Für welche Engstellen eignet sich das Verfahren?
Besonders für erstmalige Engstellen und kleinere Gefässe. Bei komplexen oder stark verkalkten Befunden kann ein Stent die bessere Wahl sein. Das beurteilen wir anhand der Bildgebung und Ihrer Gesamtsituation.
Bietet das Dein Team Herzzentrum diese Behandlung an?
Ja. Wir setzen die stentfreie Ballondilatation mit dem SELUTION DEB in geeigneten Fällen ein und besprechen mit Ihnen vorab, ob sie für Ihren Befund infrage kommt.
Quellen
- Sirolimus-Coated Balloon Meets Mark in De Novo Lesions and ISR: SELUTION (TCT 2025, Spaulding)
- TCT 2025 - 1-year SELUTION DeNovo results: DEB strategy vs. systematic DES in de novo coronary disease (PCRonline)
- SELUTION DeNovo: PCI With a Sirolimus-Eluting Balloon and Provisional Stenting Shows Comparable Outcomes to Routine DES (SCAI)
- Sirolimus Eluting Balloons for Patients with Acute Coronary Syndrome: Evidence from SELUTION DeNovo (SCAI 2026)
- Drug-eluting balloon noninferior vs. drug-eluting stent for ACS: SELUTION DeNovo substudy (Healio)
- Drug-Coated Balloon for Small Coronary Artery Disease With and Without High Bleeding Risk in BASKET-SMALL 2 (Circ Cardiovasc Interv, Jeger 2022)
- Coronary Drug-Coated Balloons for De Novo and In-Stent Restenosis Indications (PMC, Cortese 2024 update)
- Drug Coated Balloon in the Treatment of De Novo Coronary Artery Disease: A Narrative Review (PMC)