Kardiologie
Das Schluckecho: die transösophageale Echokardiographie (TEE)
Wenn der Ultraschall von aussen nicht reicht, schaut das Schluckecho von innen. Bei der transösophagealen Echokardiographie (TEE) führen wir eine schmale Ultraschallsonde über den Mund in die Speiseröhre ein. Die Speiseröhre liegt direkt hinter dem Herzen, deshalb entstehen aus dieser Position sehr scharfe Bilder von den Herzklappen, den Vorhöfen und der Hauptschlagader. Die Untersuchung wird am Dein Team Herzzentrum ambulant und in den allermeisten Fällen mit einer leichten Sedierung durchgeführt. Sie bleiben dabei ansprechbar und atmen selbständig.
Was ist ein Schluckecho und wann brauchen Sie es?
Das Schluckecho, fachsprachlich transösophageale Echokardiographie (TEE), ist eine Ultraschalluntersuchung des Herzens über die Speiseröhre. Eine fingerdicke Sonde mit einem Schallkopf an der Spitze liefert hochauflösende Bilder, weil zwischen Speiseröhre und Herz nur wenige Millimeter Gewebe liegen. Damit zeigt die TEE Strukturen, die der Ultraschall durch die Brustwand (TTE) oft nicht genau genug darstellt. Typische Fragestellungen sind Blutgerinnsel im linken Vorhofohr vor einer Kardioversion, der Verdacht auf eine Herzklappenentzündung (Endokarditis), undichte oder verengte Klappen, die Beurteilung einer künstlichen Herzklappe und die Suche nach einer Verbindung zwischen den Vorhöfen. Die ESC-Leitlinie 2023 stuft die TEE bei Verdacht auf linksseitige Endokarditis als Klasse-I-Empfehlung ein, auch wenn die TTE bereits auffällig war [ESC 2023]. Die Untersuchung dauert meist 10 bis 20 Minuten.
Warum die TEE schärfere Bilder liefert als der normale Herzultraschall
Beim Ultraschall durch die Brustwand stehen Rippen, Lunge und Fettgewebe zwischen Schallkopf und Herz. Diese Strukturen schwächen die Schallwellen ab. Die Speiseröhre dagegen grenzt unmittelbar an den linken Vorhof und an die Aorta. Daraus folgt eine deutlich höhere Bildauflösung für genau die Regionen, die von aussen schwer einsehbar sind.
Besonders das linke Vorhofohr, eine kleine Aussackung des linken Vorhofs, lässt sich nur mit der TEE zuverlässig beurteilen. Genau dort bilden sich bei Vorhofflimmern bevorzugt Blutgerinnsel. Die Schweizerische Herzstiftung weist darauf hin, dass sich bei Vorhofflimmern im Herzohr Gerinnsel bilden können, die ausgeschwemmt werden und im Gehirn einen Schlaganfall auslösen [Schweizerische Herzstiftung]. Das Schlaganfallrisiko ist bei Vorhofflimmern rund vier- bis fünffach erhöht.
Wann eine TEE vor einer Kardioversion sinnvoll ist
Vor der Rückführung eines Vorhofflimmerns in den normalen Rhythmus (Kardioversion) muss ein Gerinnsel im Vorhofohr ausgeschlossen sein. Die ESC-Leitlinie 2024 hat die Schwelle für eine frühe Kardioversion von 48 auf 24 Stunden gesenkt. Dauert das Vorhofflimmern länger als 24 Stunden, soll eine frühe Kardioversion nur nach ausreichender Blutverdünnung oder nach einer TEE erfolgen [ESC 2024]. Die TEE kann hier ein Gerinnsel direkt darstellen und so eine vorgezogene Kardioversion ermöglichen, ohne mehrere Wochen Antikoagulation abzuwarten.
| Fragestellung | Was die TEE klärt |
|---|---|
| Vorhofflimmern vor Kardioversion | Gerinnsel im linken Vorhofohr ja oder nein |
| Verdacht auf Endokarditis | Auflagerungen (Vegetationen) auf den Klappen |
| Künstliche Herzklappe | Funktion, undichte Stellen, Auflagerungen |
| Mitral- oder Aortenklappenfehler | Genaues Ausmass vor einem Eingriff |
| Schlaganfall ungeklärter Ursache | Verbindung zwischen den Vorhöfen, Aorta |
Wie die Untersuchung am Dein Team Herzzentrum abläuft
Sie liegen auf der linken Seite. Der Rachen wird örtlich betäubt, in der Regel kombiniert mit einer leichten Sedierung über die Vene. Dann führen wir die Sonde über den Mund ein und bitten Sie, einmal zu schlucken. Während der Untersuchung spüren Sie meist nur ein Druckgefühl im Hals. Atmen, schlucken und Schmerzfreiheit bleiben erhalten.
Wir arbeiten während des gesamten Eingriffs zu zweit, eine Ärztin oder ein Arzt und eine medizinische Fachperson, und überwachen fortlaufend Puls und Sauerstoffsättigung. Für die Sedierung verwenden wir meist Propofol oder Midazolam. Beide wirken kurz, sodass Sie nach einer Erholungsphase wieder wach und orientiert sind. Auf Wunsch und bei geeigneter Situation kann die TEE auch ohne Sedierung durchgeführt werden, dann können Sie im Anschluss direkt selbst nach Hause fahren.
Während der Untersuchung dreht die Ärztin oder der Arzt die Sonde langsam und bildet das Herz aus mehreren Blickwinkeln ab. Sobald alle Fragen beantwortet sind, wird die Sonde zügig zurückgezogen. Das Wichtigste besprechen wir mit Ihnen oft schon direkt im Anschluss, sobald Sie wieder ansprechbar sind.
Vorbereitung: nüchtern zur Untersuchung
Der obere Verdauungstrakt muss leer sein, damit die Sonde freie Sicht hat und nichts aspiriert wird. Üblich sind diese Punkte:
- Etwa sechs Stunden vor dem Termin nichts mehr essen. Klare Flüssigkeit ist meist bis rund zwei Stunden vorher erlaubt, das klären wir vorab mit Ihnen.
- Notwendige Medikamente mit einem kleinen Schluck Wasser einnehmen, sofern nicht anders besprochen.
- Bei Diabetes, blutverdünnenden Medikamenten oder bekannten Problemen mit der Speiseröhre vorab kurz Rücksprache halten.
- Wenn eine Sedierung geplant ist, eine Begleitperson für den Heimweg organisieren.
Nach dem Schluckecho
Nach einer Sedierung dürfen Sie am selben Tag kein Fahrzeug lenken, keine Maschinen bedienen und keine rechtsgültigen Unterschriften leisten. Mit Essen und Trinken warten Sie, bis das Taubheitsgefühl im Rachen vollständig abgeklungen ist, sonst besteht Verschluckungsgefahr. Ein leichtes Kratzen im Hals für einen Tag ist normal.
Melden Sie sich bitte umgehend, wenn nach der Untersuchung starke Bauch- oder Brustschmerzen, Schluckbeschwerden, Fieber, Bluterbrechen, Schwindel oder Atemnot auftreten. Solche Beschwerden sind sehr selten, gehören aber rasch abgeklärt.
Wie sicher ist die TEE?
Die TEE gilt als sicheres Verfahren. Grössere Auswertungen beziffern die Rate ernsthafter Komplikationen auf etwa 0,2 Prozent [Hilberath 2010, J Am Soc Echocardiogr]. Die gefürchtetste Komplikation, eine Verletzung der Speiseröhre, ist mit einer Häufigkeit von etwa 0,03 bis 0,09 Prozent selten [TEE-Review 2024, PMC]. Das Risiko steigt bei Vorerkrankungen der Speiseröhre wie Aussackungen (Divertikel) oder Krampfadern (Varizen). Genau deshalb fragen wir vor der Untersuchung gezielt nach Schluckproblemen und Vorerkrankungen.
Vor jeder TEE klärt Sie eine Ärztin oder ein Arzt vollständig über Ablauf, Nutzen und Risiken auf und beantwortet Ihre Fragen. Diese Aufklärung gehört fest zum Vorgehen und ist kein Formalismus.
Häufig gestellte Fragen
Was muss ich vor einem Schluckecho beachten? Kommen Sie nüchtern: etwa sechs Stunden vorher nichts essen, klare Flüssigkeit nur nach Absprache. Wenn eine Sedierung geplant ist, fahren Sie am Untersuchungstag nicht selbst und bringen Sie eine Begleitperson mit.
Ist ein Schluckecho gefährlich? Es ist eine schmerzarme Ultraschalluntersuchung mit niedrigem Risiko. Ernsthafte Komplikationen treten bei rund 0,2 Prozent der Untersuchungen auf, eine Verletzung der Speiseröhre noch seltener [Hilberath 2010, J Am Soc Echocardiogr]. Mit sorgfältiger Vorabklärung und Überwachung lässt sich das Risiko gering halten.
Tut die Untersuchung weh? Nein. Der Rachen wird betäubt und Sie erhalten in der Regel eine leichte Sedierung. Die meisten Menschen spüren nur ein Druckgefühl im Hals und erinnern sich danach kaum an den Eingriff.
Warum reicht der normale Herzultraschall nicht immer? Beim Ultraschall durch die Brustwand stehen Rippen und Lunge im Weg. Die TEE schaut von der Speiseröhre aus direkt aufs Herz und stellt vor allem das linke Vorhofohr, die Herzklappen und die Aorta deutlich genauer dar.
Wann wird ein Schluckecho gemacht? Bei der Suche nach Gerinnseln vor einer Kardioversion, bei Verdacht auf eine Herzklappenentzündung, zur genauen Beurteilung von Klappenfehlern und künstlichen Klappen sowie zur Abklärung eines Schlaganfalls ungeklärter Ursache. Bei Endokarditis-Verdacht ist die TEE leitliniengemäss Standard [ESC 2023].
Muss ich für die Kardioversion immer ein Schluckecho machen? Nicht immer. Wenn Sie schon ausreichend lange blutverdünnt sind, kann auf die TEE verzichtet werden. Dauert das Vorhofflimmern länger als 24 Stunden und soll früh kardiovertiert werden, ist eine TEE oder eine ausreichende Antikoagulation laut ESC-Leitlinie 2024 Voraussetzung [ESC 2024].
Wie lange dauert die Untersuchung? Die eigentliche Untersuchung dauert meist 10 bis 20 Minuten. Mit Vorbereitung, Aufklärung und Überwachung danach sollten Sie am Dein Team Herzzentrum insgesamt einige Stunden einplanen, vor allem wenn Sie sediert werden.
Quellen
- 2024 ESC Guidelines for the management of atrial fibrillation (EACTS), European Heart Journal
- 2024 ESC AF Guidelines: Key Points, American College of Cardiology
- Kommentar zu den ESC-Leitlinien 2023 zur infektiösen Endokarditis, DGK (TEE Klasse-I-Empfehlung)
- Transesophageal echocardiography related complications (Sicherheit, Komplikationsraten), PMC Review 2024
- Esophageal perforation during transesophageal echocardiography: incidence and management, PMC
- Was ist Vorhofflimmern? Schlaganfallrisiko und Herzohr-Thromben, Schweizerische Herzstiftung
- Recommendations for Safe Practice in Sedation during echocardiography (Nüchternheit, Sedierung), British Society of Echocardiography