Kardiologie
Die kardiologische Herzkatheter-Untersuchung
Die Herzkatheter-Untersuchung zeigt von innen, ob Ihre Herzkranzgefässe verengt sind. Über einen dünnen Schlauch, meist über das Handgelenk eingeführt, gelangt ein Kontrastmittel in die Gefässe, das die Engstellen im Röntgenbild sichtbar macht. Am Dein Team Herzzentrum in Zürich kommt diese Untersuchung dann zum Einsatz, wenn nicht-invasive Tests keine eindeutige Antwort liefern oder Ihre Beschwerden auf eine relevante Durchblutungsstörung hindeuten. Was dabei geschieht, wie lange es dauert und wie hoch das Risiko wirklich ist, lesen Sie hier Schritt für Schritt.
Was ist eine Herzkatheter-Untersuchung und wann wird sie gemacht?
Die Herzkatheter-Untersuchung, fachlich Koronarangiographie, ist die genaueste Methode, um Verengungen der Herzkranzgefässe direkt darzustellen. Ein dünner Katheter wird über eine Arterie am Handgelenk oder in der Leiste bis zum Herzen geführt. Über ihn fliesst Kontrastmittel in die Gefässe, das im Röntgen einen Innenausguss zeigt und Engstellen sichtbar macht.
Die ESC-Leitlinie 2024 empfiehlt diese invasive Untersuchung bei hoher Vortest-Wahrscheinlichkeit einer koronaren Herzkrankheit, bei Beschwerden, die auf Medikamente nicht ansprechen, sowie bei Angina schon unter geringer Belastung oder hohem Ereignisrisiko [ESC 2024, Eur Heart J]. Bei niedriger bis mittlerer Wahrscheinlichkeit empfiehlt dieselbe Leitlinie zunächst eine Computertomographie der Herzkranzgefässe als ersten Test [ESC 2024, Eur Heart J]. Der Herzkatheter steht also am Ende einer abgestuften Abklärung und ersetzt sie nicht. Bleibt die Diagnose nach den nicht-invasiven Tests unklar, kann die Koronarangiographie sie bestätigen oder ausschliessen. Ihr grösster praktischer Wert liegt darin, dass sie die genaue Diagnose mit der Möglichkeit verbindet, eine relevante Engstelle im selben Eingriff zu behandeln.
Linksherz-Katheter: die Herzkranzgefässe im Bild
Beim Linksherz-Katheter, auch arterieller Katheter genannt, wird der Schlauch über eine Arterie eingeführt. Über ihn gelangt das Kontrastmittel in die Herzkranzgefässe. Verkalkungen und Engstellen, die den Herzmuskel von Blut und Sauerstoff abschneiden, werden so direkt sichtbar.
Das typische Beschwerdebild einer solchen koronaren Herzkrankheit ist die Angina pectoris: ein Druck oder Engegefühl hinter dem Brustbein, das in Arm, Hals oder Oberbauch ausstrahlen kann. Diese Beschwerden treten oft unter Belastung auf und lassen in Ruhe wieder nach. Verschliesst sich ein Herzkranzgefäss akut komplett, spricht man von einem Herzinfarkt.
Der grosse Vorteil der Koronarangiographie liegt darin, dass sie Diagnostik und mögliche Behandlung verbindet. Zeigt das Bild eine relevante Verengung, lässt sie sich häufig im selben Eingriff beheben. Eine zweite Untersuchung an einem anderen Tag entfällt dann.
Bei Bedarf lassen sich im selben Eingriff weitere Strukturen darstellen: die linke Herzkammer, die Herzklappen oder die Hauptschlagader.
Wenn eine Engstelle gefunden wird: FFR und Stent
Nicht jede sichtbare Verengung ist auch behandlungsbedürftig. Bei mittelgradigen Engstellen empfiehlt die ESC-Leitlinie, die funktionelle Bedeutung vor einer Behandlung zu messen, etwa über die fraktionelle Flussreserve (FFR) [ESC 2024, Eur Heart J]. Dabei wird der Druckabfall über die Engstelle bestimmt. Ein FFR-Wert von 0,80 oder darunter gilt als relevant.
Diese Messung hat einen guten Grund. Die FAME-Studie zeigte, dass eine FFR-gesteuerte Behandlung verglichen mit einer rein nach dem Bild gesteuerten weniger schwere Herzereignisse innerhalb eines Jahres nach sich zog [Tonino 2009, N Engl J Med]. Wir messen am Dein Team Herzzentrum darum bei grenzwertigen Befunden lieber einmal mehr, bevor wir behandeln.
Ist eine Engstelle relevant, kann sie im gleichen Eingriff aufgedehnt und mit einer Gefässstütze, einem Stent, offen gehalten werden. Dieser Schritt heisst perkutane Koronarintervention (PCI).
Rechtsherz-Katheter: Druckmessung im Lungenkreislauf
Der Rechtsherz-Katheter dient einem anderen Zweck. Über eine Vene am Arm, Hals oder in der Leiste wird der Schlauch durch das rechte Herz bis in die Lungengefässe geführt, um dort den Druck zu messen. So lassen sich eine Druckerhöhung im Lungenkreislauf, die Folgen von Herzklappenfehlern oder eine Herzschwäche genau beurteilen. Diese Messung ist die Referenzmethode, wenn der Verdacht auf einen erhöhten Lungendruck besteht und nicht-invasive Befunde unklar bleiben. Beide Katheterarten können zusammen oder getrennt durchgeführt werden, je nachdem, welche Frage im Vordergrund steht.
Ablauf: vor, während und nach der Untersuchung
Im Vorfeld stehen ein ausführliches Gespräch und eine ambulante Untersuchung. Dabei klären wir mit Ihnen den Grund, den Ablauf und mögliche Risiken und besprechen Ihre Medikamente, etwa Blutverdünner, sowie eine bekannte Kontrastmittel-Unverträglichkeit. In der Regel kommen ein EKG, eine Blutentnahme und je nach Befund weitere nicht-invasive Tests dazu, bevor der Termin für den Katheter feststeht. Diese Vorbereitung sorgt dafür, dass am Tag des Eingriffs alle wichtigen Werte vorliegen.
So läuft der Eingriff ab:
- Die Einstichstelle am Handgelenk oder in der Leiste wird örtlich betäubt. Sie bleiben wach und ansprechbar.
- Der Katheter wird unter Röntgenkontrolle zum Herzen vorgeschoben. Das spüren Sie in der Regel nicht, da die Gefässe selbst keine Schmerzfasern haben.
- Beim Einspritzen des Kontrastmittels kann kurz ein Wärmegefühl auftreten.
- Findet sich eine relevante Engstelle, kann direkt eine Behandlung mit Stent angeschlossen werden.
Die reine Diagnostik dauert oft nur 20 bis 30 Minuten. Danach wird die Einstichstelle verschlossen, am Handgelenk meist mit einem Druckverband. Über den Zugang am Handgelenk sind Sie danach schneller wieder mobil als über die Leiste.
Wie hoch ist das Risiko?
Die Koronarangiographie gilt als sicheres Routineverfahren. Bedeutsame Komplikationen treten in unter einem Prozent der Fälle auf, das Risiko einer schweren Komplikation wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder Tod liegt nach internationalen Angaben in der Grössenordnung von etwa 1 zu 1000 [gesundheitsinformation.de, IQWiG]. Häufiger, aber harmlos, sind kleine Blutergüsse an der Einstichstelle.
Der Zugang über das Handgelenk senkt dieses Risiko zusätzlich. Eine Metaanalyse über das gesamte Spektrum der Patientinnen und Patienten mit koronarer Herzkrankheit zeigte unter radialem Zugang eine niedrigere Sterblichkeit sowie deutlich weniger schwere Blutungen und Gefässkomplikationen als über die Leiste [Ferrante 2016, JACC Cardiovasc Interv]. Die ESC-Leitlinie 2024 empfiehlt den Zugang über das Handgelenk darum als bevorzugten Standard [ESC 2024, Eur Heart J].
Das Risiko hängt zudem von Ihrer Ausgangslage ab. Höheres Alter und schwere Begleiterkrankungen können es erhöhen. Genau dafür dient das Vorgespräch: Wir wägen mit Ihnen ab, was Ihr Befund an Aussagekraft gewinnt und welche Risiken realistisch dagegenstehen. Eine Untersuchung, die nichts an der Behandlung ändert, gehört nicht dazu.
Häufige Fragen zur Herzkatheter-Untersuchung
Bin ich während der Untersuchung wach? Ja. Die Einstichstelle wird örtlich betäubt, Sie bleiben ansprechbar. Auf Wunsch ist ein leichtes Beruhigungsmittel möglich. Eine Vollnarkose ist für die Untersuchung nicht nötig.
Tut der Herzkatheter weh? Den Einstich spüren Sie als kurzen Piks, danach kaum etwas. Die Gefässe selbst haben keine Schmerzfasern, der Katheter ist im Inneren nicht zu fühlen. Beim Kontrastmittel kann ein kurzes Wärmegefühl auftreten.
Wie lange dauert die Untersuchung? Die reine Diagnostik dauert meist 20 bis 30 Minuten. Kommt eine Behandlung mit Stent dazu, verlängert sich der Eingriff entsprechend.
Werde ich gleich behandelt, wenn eine Verengung gefunden wird? Oft ja. Eine relevante Engstelle lässt sich im selben Eingriff aufdehnen und mit einem Stent versorgen. Bei grenzwertigen Befunden messen wir vorher die funktionelle Bedeutung per FFR, bevor wir behandeln.
Wie schnell bin ich danach wieder fit? Nach einem Zugang über das Handgelenk sind Sie rasch wieder mobil. Anstrengung und schweres Heben sollten Sie in den ersten Tagen meiden. Den genauen Zeitplan besprechen wir mit Ihnen, abhängig davon, ob nur untersucht oder auch behandelt wurde.
Brauche ich für die Untersuchung eine Überweisung? Am Dein Team Herzzentrum in Zürich können Sie einen Termin auch ohne Überweisung vereinbaren. Sinnvoll ist sie dann, wenn nicht-invasive Tests bereits auf eine relevante Durchblutungsstörung hindeuten.
Ist Kontrastmittel ein Problem für meine Nieren? Bei eingeschränkter Nierenfunktion oder bekannter Unverträglichkeit planen wir die Menge und Vorbereitung entsprechend. Sagen Sie uns vorab Bescheid, wenn bei Ihnen eine Nierenerkrankung oder eine Kontrastmittel-Reaktion bekannt ist.
Dieser Beitrag erklärt den allgemeinen Ablauf und ersetzt das persönliche Gespräch mit Ihrem Kardiologen nicht. Was im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von Ihrem Befund ab.
Quellen
- 2024 ESC Guidelines for the management of chronic coronary syndromes (European Heart Journal)
- Tonino et al. Fractional Flow Reserve versus Angiography for Guiding PCI (FAME), N Engl J Med 2009
- Ferrante et al. Radial Versus Femoral Access for Coronary Interventions: A Meta-Analysis of Randomized Trials, JACC: Cardiovascular Interventions 2016
- Was passiert bei einer Herzkatheter-Untersuchung? IQWiG / gesundheitsinformation.de
- 2024 ESC Guidelines for Management of Chronic Coronary Syndromes: Key Points, American College of Cardiology